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3-Länder-Tagung: Neues aus der Normenwelt (14.06.2019)

Cordula Schubert-Berker, Regionalgruppe Nürnberg

Bei wunderschönem Sommerwetter luden der tekom-Landesverband Österreich in Kooperation mit Tecom Schweiz und den deutschen Regionalgruppen Alb-Donau, Baden, Bodensee und Stuttgart in das beschauliche Bregenz ein. Zum Thema „Neues aus der Normenwelt“ konnte eine Reihe namhafter Referenten gewonnen werden, die brandaktuelle Informationen aus Normungsprojekten im Gepäck hatten, die für die Technische Kommunikation richtungsweisend sind. Im Mercure-Hotel Bregenz, in direkter Nähe zur Seebühne, wurden die rund 90 Teilnehmer ab 9 Uhr herzlich in Empfang genommen und mit Namensschild sowie allen notwendigen Informationen versorgt.

Pünktlich um 10 Uhr ertönte der Gong zur Eröffnung der Veranstaltung. Zur Einleitung begrüßten Yvonne Gasser (LV Österreich), Azadeh Eshaghi (Tecom Schweiz), Pia Halim (RG Alb-Donau) und Rainer Pflaum (RG Bodensee) als Vertreter der Veranstalter die Teilnehmer, berichteten von Neuigkeiten aus der tekom und stimmten in den Tagesablauf ein. Auf dem Programm standen Beiträge zu den Themenbereichen IEC/IEEE 82079-1 ed. 2, Usability und Messbarkeit von Informationsqualität und der Normenreihe 2651x zur Softwaredokumentation.

Überarbeitete und neue Normen in der TK – was kommt da auf mich zu?

Nach den Begrüßungsworten ging es gleich forsch voran mit den Ausführungen von Dr. Claudia Klumpp, die als tekom-Normenverantwortliche zahlreiche nationale und internationale Normungsvorhaben von Verbandsseite begleitet und u. a. bei der Überarbeitung der für unsere Branche so zentralen Horizontalnorm IEC/IEEE 82079-1 eine maßgebliche Rolle einnahm. Die im Mai 2019 veröffentliche Edition 2 wurde in den vergangenen Jahren einer Generalüberholung unterzogen. Dabei wurde unter anderem der Titel, die Struktur der Norm und die Inhalte zur Strukturierung von Nutzungsinformationen überarbeitet sowie die Vorgaben zu Medien und Darbietungsformen präzisiert. Neben einem Vergleich der Inhalte und des Aufbaus der alten und neuen Ausgabe der Norm, lieferte Claudia Klumpp auch Einblicke in die Vorgehensweise bei solchen internationalen Normungsprojekten und erheiterte das Publikum mit der einen oder anderen Anekdote aus dem Normungsleben. Als weiteres Normungsprojekt, das sich derzeit in Arbeit befindet, verwies sie auf das „New Work Item Proposal“ zur Terminologie der Technischen Kommunikation – einer im Entwicklungsstadium befindlichen Terminologienorm, die unter anderem auf den Arbeitsergebnissen der tekom-Arbeitsgruppe „Terminologie der Technischen Kommunikation“ basiert.

Als zweites Thema stand die ebenfalls taufrische ISO 20607 auf dem Plan. Für den leider krankheitsbedingt verhinderten Referenten Martin Rieder, der bei der Erarbeitung mitgewirkt hatte, sprang Claudia Klumpp ein und berichtete über die Bedeutung dieser internationalen Norm – deren Zielgruppe im Gegensatz zur IEC/IEEE 82079-1 nicht Technische Redakteure, sondern Maschinenhersteller sind. Neben der Tatsache, dass die ISO 20607 unter der Maschinenrichtlinie harmonisiert wird, unterscheiden sich die beiden Normungswerke vor allem in der Detailtiefe der Vorgaben. Nach diesem ersten informationsreichen Themenblock wurden die Teilnehmer in die Mittagspause in die warme Junisonne entlassen.

Genormte Qualität

Gestärkt begann die Nachmittagssitzung mit den Ausführungen von Prof. Dr. Constance Richter von der Hochschule Aalen. Sie beschäftigte sich mit dem Thema „Genormte Qualität“ und beleuchtete verschiedene Aspekte, welchen Ansprüchen Informationsprodukte aus der Sicht der Usability genügen müssen. Eine der zentralen Fragen, die immer mehr an Bedeutung gewinnt, liegt dabei darin, wie sich die Anforderungen an Informationsprodukte durch die Digitalisierung verändern (werden). Des Weiteren ging die Referentin auf die differenzierte Betrachtung der Benutzer und Stakeholder bei der Informationserstellung ein. Sie entführte die Teilnehmer zu einem kurzen Exkurs, in dem sie die Personamethode mit den Komponenten Persona und Protopersona umriss. Die Referentin erläuterte außerdem, wie die Normenreihe 9241 dabei unterstützen kann, Usability zu messen und somit eine Hilfestellung im menschzentrierten Informations- und Produktentwicklungsprozess bietet.

In der anschließenden Kaffeepause konnten sich die Besucher nicht nur mit Kuchen und Häppchen stärken, sondern die Zeit auch zum Netzwerken und dem Besuch der Ausstellerstände nutzen. In einer kleinen Messe nutzte eine Reihe von Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produkte und Dienstleistungen zu präsentieren.

Neuigkeiten der Normenreihe ISO/IEC/IEEE 2651x

Den letzten Themenblock eröffnete energiegeladen Prof. Sissi Closs von der Hochschule Karlsruhe. Sie stellte die Neuerungen der Normenreihe ISO/IEC/IEEE 2651x zur Software-Dokumentation vor; vier der fünf Normen dieser Reihe sind bereits überarbeitet worden und setzen mit ihrer eindeutigen Zielgruppenzuordnung unterschiedliche Schwerpunkte. Eines lässt sich jedoch ganz klar festhalten: Das Einbeziehen aller Beteiligten in den (agilen) Softwareentwicklungsprozess hat in der Überarbeitung der Normen einen deutlichen Fokus erhalten.

Einzig ISO/IEC 26514 befindet sich noch in Überarbeitung, die nach einhelliger Meinung der anwesenden involvierten Expertinnen substanziell sein und voraussichtlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Neben einem Abriss zum Inhalt der einzelnen Normen hob Sissi Closs die nützlichen informativen Anhänge und Checklisten der Normenreihe hervor.

Zu guter Letzt

Den Abschluss dieser überaus interessanten, informativen und gut organisierten Veranstaltung bildete eine Podiumsdiskussion, in der die Referentinnen im Vorfeld und während der Veranstaltung eingereichte Fragen beantworteten, z. B. zur Beachtung von besonderen Benutzerbedürfnissen von Informationsprodukten wie Farbsehschwäche in Normen oder die Verschränkung von Anforderungen an Hardware- und Softwaredokumentation in Maschinen und Anlagen. Unter den Nägeln brannte auch die Frage nach eingebetteten Sicherheits- und Warnhinweisen und wie man damit gemäß IEC/IEEE 82079-1 und Erkenntnissen aus der Usability-Forschung am besten umgeht.

Nach abschließenden und dankenden Worten ließ gut ein Drittel der Teilnehmer den Tag im Rahmen eines Sonderstammtischs im nahegelegenen Wirtshaus am See auskling

Dankeschön!

Herzlichen Dank, Cordula, für diesen Bericht!

Ein großes Dankeschön auch an die Sponsoren, die uns – neben unseren Mitgliedern – diese Veranstaltung ermöglicht haben:

Impressionen (Fotos: Azadeh Eshaghi, Tecom Schweiz)

Veranstalterteam (v. l. n. r.: Rainer Pflaum, Yvonne Gasser, Michael Valent, Pia Halim, Azadeh Eshaghi)
Interessiertes Publikum