at

LV-Tagung: Verständlich dokumentieren - Profis können's! (09.03.2018)

Yvonne Gasser und Michael Valent, tekom Österreich

Mehr als 50 Personen kamen am WIFI Tirol in Innsbruck zusammen, um zu erfahren, welche Strategien beim Erstellen verständlicher Texte helfen können. Drei erfahrene Referenten, Experten verschiedenster Fachrichtungen, eröffneten neue Einsichten und standen den Teilnehmern den ganzen Tag Rede und Antwort.

Zu Beginn begrüßten Yvonne Gasser (tekom Österreich) im Namen der tekom Österreich und der tekom-Regionalgruppe München und Elmar Veternik (WIFI Tirol) die Teilnehmer. Das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer (WIFI), das österreichweit die Zertifizierung zum Technischen Redakteur anbietet, freute sich, Gastgeber dieser Veranstaltung sein zu dürfen.

Ich verstehe, also bin ich

Mit einem für Technische Redakteure sehr ungewohnten Ansatz startete der erste Referent in den Tag: Dr. Martin Ross (Kunstuniversität Linz) beleuchtete die Aufgabe des Ver- und Übermittelns von Information aus philosophischer Sicht. Dabei spannte er den Bogen von Platon bis zum Versuch eines großen Baumarkts, die Montage einer Stehleuchte nur in Bildern zu beschreiben – eine spannende Reise durch Zeit und Zusammenhänge, bei der die Zuhörer angeregt wurden, über das Verstehen zu reflektieren. Nebenbei stellte er an einem praktischen Beispiel dar, wie Cicero noch nach 2000 Jahren helfen kann, perfekte Handlungsanweisungen zu verfassen.

„Ein absolutes Highlight, so einen Vortrag habe ich noch nie gehört!“, so die begeisterte Aussage eines Teilnehmers.

Technisches Schreiben: keine Kunst

Thematisch direkt anknüpfend gab Mag. Claudia Hagendorfer (text-it Produktdokumentation) zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand der Verständlichkeitsforschung. Danach erläuterte sie, warum und wie ein sauberer Dokumentationsprozess die Verständlichkeit fördern kann. Bei den folgenden Regeln und praktischen Beispielen empfahl die Referentin unter anderem, KAFKA zu berücksichtigen:

  • Konkret schreiben
  • Aktiv schreiben
  • Füllwörter streichen, Floskeln ersetzen
  • Kurz schreiben
  • Adjektive sparsam verwenden

Am Ende des Vortrags folgten noch ein paar Anhaltspunkte, wie verständlich auch übersetzungsgerecht sein kann.

Redaktionsleitfaden: didaktisch aufbereitetes Regelwerk für die praktische Arbeit

Das Nachmittagsprogramm eröffnete Dr. Markus Nickl (doctima GmbH) mit einem Workshop zum Erstellen eines Redaktionsleitfadens. Neben den typischen Inhalten, die in einen Redaktionsleitfaden gehören, ging der Referent speziell auf Aspekte ein, die oft nicht berücksichtigt werden, aber die Akzeptanz eines Leitfadens massiv erhöhen: So kann es je nach Zielgruppe des Leitfadens sinnvoll sein, sowohl die Regel zu erfassen als auch deren Begründung – da so deren Sinn nachvollzogen werden kann. Er warnte davor, zu viele Regeln aufzustellen und motivierte die Teilnehmer dazu, die Bedürfnisse in der jeweiligen Abteilung zu berücksichtigen und nur das zu regeln, was tatsächlich nötig ist und nicht durch Software abgedeckt werden kann.

Podiumsdiskussion

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die wichtigsten Aspekte verständlicher Texte genauso reflektiert wie die Rolle des Technischen Redakteurs im Unternehmen. Und einmal mehr wurde deutlich: Die Technischen Redaktionen müssen zukünftig nicht nur darauf schauen, dass ihre Informationsprodukte verständlich geschrieben sind, sie müssen sich auch vermehrt damit auseinandersetzen, ihre eigene Arbeit anderen Abteilungen verständlich und prägnant zu präsentieren.

Dankeschön

Ein großes Dankeschön an die Sponsoren, die uns – neben unseren Mitgliedern – diese Veranstaltung ermöglicht haben:

Vortragsunterlagen

Die Unterlagen stehen tekom-Mitgliedern im Bereich Downloads zur Verfügung.
Opens internal link in current windowZum Download...

Fotoimpressionen (Michael Valent)

Begrüßung (Yvonne Gasser, Elmar Veternik)
Dr. Martin Ross
Mag. Claudia Hagendorfer
Mittagessen in der Soulkitchen Innsbruck
Dr. Markus Nickl
Erarbeiten eines Redaktionsleitfadens
Podiumsdiskussion