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LV-Treffen: Usability von Informationsprodukten – das hat uns noch gefehlt!

Rainer Pflaum, tekom-Regionalgruppe Bodenseeraum

36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (30 Mitglieder, 6 Interessenten) kamen am 29. September 2017 in die Fachhochschule Vorarlberg (Dornbirn), um gemeinsam herauszufinden, wie die Usability von Informationsprodukten evaluiert und verbessert werden kann.

Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angereist, und sie wurden nicht enttäuscht.

Im Detail stellte Prof. (FH) Dr. Guido Kempter (FH Vorarlberg) seinen Bereich Nutzerorientierte Technologien vor, der sich auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen eingestellt hat und dabei auch neuartige Techniken (Natural Interfaces, Gestensteuerung u.v.m.) entwickelt und in der Praxis testet.

Mit 13 Studiengängen und 1.266 Studierenden, 5 Forschungszentren mit 54 Forschenden gehört die FH Dornbirn nicht zu den größten Einrichtungen, ihr Fokus ist dezidiert auf Qualität vor Quantität.

Zu Beginn ihres Vortrags erhob Prof. Dr. Gertrud Grünwied (Hochschule München), welche positiven und negativen Erfahrungen die Anwesenden generell mit Usability schon gemacht hatten. Überraschend einhellig war das Ergebnis für negative Erfahrungen: die Fahrkartenautomaten der ÖBB. Tenor: Bis man auch als langjähriger Nutzer endlich eine Fahrkarte erhält, sind schon zwei Züge abgefahren.

Frau Grünwied verstand es, in ihrem Vortrag den Bezug zwischen Theorie und täglichem Leben herzustellen und kombinierte dies außerdem mit breitem Hintergrundwissen zum Redakteursalltag.

Als Einführung in den mit Spannung erwarteten Workshop bot die Referentin einen Überblick über den nutzerzentrierten Gestaltungsprozess (user-centered design process). 

Der Workshop selbst bestand aus vier Stationen, die jeweils eine Methode im nutzerzentrierten Gestaltungsprozess abbildeten:

  • Persona-Methode
    Für eine fiktive Pulsuhr erschufen 2 Gruppen einen Marathonläufer und einen Gelegenheitsjogger – erstaunlich, wie sich kulinarische Vorlieben und familiärer Hintergrund der beiden unabhängig erschaffenen Personas doch ähnelten!

  • Card Sorting/Wording
    Eine Sammlung von Überschriften wurde in eine fiktive Gliederung einsortiert. Da Benennungen einen Interpretationsspielraum besitzen, kamen recht unterschiedliche aber plausible Ergebnisse zutage.

  • Usability einer Bedienungsanleitungs-App (Volvo V70 2016 über App „Volvo Manual“)
    Livetest: Je nach Suchstrategie und Vorwissen kam man mit 80 oder 16 Klicks zum gewünschten Thema.
  • Usability-Test ("Out-of-the-box-Test")
    Die Usability einer IKEA-Bedienungsanleitung wurde mit einem Hocker auf die Probe gestellt, der durch die Gruppen aufgebaut wurde. Jede Gruppe schaffte es, ihren Hocker zusammenzubauen, dabei wurden jedoch ganz unterschiedliche Strategien verwendet.

Über objektive Evaluierungsmethoden (z. B. messbare Benutzerreaktionen auf den Kontakt mit verschiedenen Informationsmedien) referierte am Nachmittag Patrick Jost von der FH Vorarlberg. Er zeigte auf, welche Möglichkeiten professionelle Usability-Einrichtungen haben und wohin sich die Forschung in naher Zukunft entwickelt.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Erfahrungsaustausch in Form einer Podiumsdiskussion, bei der angeregt debattiert wurde.

Das Treffen bot aktuelle Informationen aus „vorderster Front“ der Usability-Forschung, ließ aber auch Raum für Gespräche zwischen den Teilnehmern. Der gemütliche Abschluss im „Gemsle“ schließlich bot kulinarisch und kommunikativ perfekte Usability.

 

Ein großes Dankeschön an die zwei Sponsoren, die uns – neben unseren Mitgliedern – diese Veranstaltung ermöglicht haben:

Vortragsunterlagen

Die Unterlagen stehen tekom-Mitgliedern im Bereich Downloads zur Verfügung.
Zum Download... (nur für Mitglieder)

Fotoimpressionen

Fachhochschule Vorarlberg
Netzwerken vor der Veranstaltung
Positive Usability-Beispiele
Negative Usability-Beispiele
Prof. Dr. Gertrud Grünwied
Beurteilung einer App
Workshop-Station: Card Sorting/Wording
Workshop-Station: Usability Test (Out-of-the-box-Test)
Erfolgreich zusammengebaute Hocker (Out-of-the-box-Test)
Podiumsdiskussion (v.l.): Michael Valent (tekom Österreich), Patrick Jost (FHV), Prof. Dr. Gertrud Grünwied (Hochschule München), Prof. (FH) Dr. Guido Kempter (FHV)