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Stammtisch (20.07.2016)

Yvonne Gasser, tekom Österreich

45. "Simultan-Stammtisch" in Graz (Lend-Platzl), Hohenems (Moritz-Restaurant), Linz-Leonding (Kremstalerhof) und Wien (Brandauer im Gerngross)

Bei herrlichem Sommerwetter fanden sich insgesamt 46 Mitglieder und Interessenten am Simultan-Stammtisch in 4 österreichischen Städten ein. Neben gegenseitigem Kennenlernen und Netzwerken sowie gutem Essen und Trinken standen einige Fachthemen zur Diskussion.

An allen Stammtischen wurden zu Beginn Neuigkeiten aus der tekom verkündet. Die Gastgeber informierten die Teilnehmer über die nächsten Veranstaltungen, wiesen auf die im Herbst anstehenden Wahlen zur Landesverbandsleitung hin und motivierten die Teilnehmer, sich für die Veranstaltungen als Referenten zu bewerben, die für 2017 geplant sind. 

In Graz waren die beherrschenden Themen der Arbeitsmarkt für Technische Redakteure, der neue Lehrgang "Technische Dokumentation" an der FH Joanneum sowie der Erfahrungsaustausch zu Redaktionssystemen (insbesondere Schema ST4) und Softwaredokumentation im agilen Umfeld. Der Arbeitsmarkt für Technische Redakteure, so der Tenor, sei momentan sehr schwierig: Nicht nur seien kaum qualifizierte Vollzeitkräfte zu finden, auch die Gehaltsvorstellungen – sowohl auf Arbeitgeber- als auch auf Arbeitnehmerseite – seien als unrealistisch zu bezeichnen. Mit großem Interesse wurde die Information aufgenommen, dass an der Grazer Fachhochschule Joanneum ab Sommersemester 2017 ein neuer Lehrgang "Technische Dokumentation" startet. Die Abgänger dieses Lehrgangs werden sehnlichst erwartet!

Auch in Wien beschäftigte man sich mit Arbeitsmarktthemen (da Technische Redakteure in keinem Kollektivvertrag berücksichtigt und daher oft falsch eingestuft werden) und mit dem neuen Lehrgang an der FH Joanneum. Zusätzlich wurde die Herausforderung Lieferantendokumentation thematisiert: Der Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin zeigte die Schwierigkeit, die Lieferantendokumentation in die Gesamtdokumentation für verfahrenstechnische Anlagen zu integrieren. In der dadurch angeregten Diskussion wurde erörtert, wie wichtig es ist, in der Konstruktion und im Einkauf ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Zudem wurde besprochen, welche Anforderungen an den Lieferanten gestellt werden sollen, damit man die passenden Unterlagen erhält. "Passend" war denn auch das Stichwort für den nächsten Erfahrungsbericht: Die geplante Umstellung der gedruckten Dokumentation auf elektronische bzw. mobile Dokumentation und die damit verbundenen Herausforderungen (Stichwort: größtmögliche Rechtssicherheit).

Zu (größtmöglicher) Rechtssicherheit und Neuigkeiten bezüglich Maschinenrichtlinie und EN 82097 fand sich in Linz ein Sprecher. Doch zunächst wurden 3 frisch gebackene und zertifizierte Technische Redakteure am Tisch begrüßt und gefeiert – herzlichen Glückwunsch und willkommen! Ihre Beiträge zu den Gesprächen über unvollständige und vollständige Maschinen und die zugehörige Dokumentation wurden mit Interesse gehört. Ein weiteres Normenthema wurde mit einem Bericht über die EN 17100 (Anforderungen an Übersetzungsdienstleistungen) aufgegriffen. Die Nachfolgenorm der EN 15038 ist seit Mitte 2015 in Kraft und ist eine global gültige Referenz, die den State of the Art für Übersetzungsdienstleistungen darstellt. Die Änderungen gegenüber der Vorgängernorm betreffen im Wesentlichen begriffliche Ergänzungen, den Wegfall stilistischer Vorgaben und die Erweiterung um grafische Darstellungen, wie etwa jene des Übersetzungsworkflows, so der Referent. Er betonte das Einsparungspotenzial, das der Einsatz von CAT-Tools bietet und erklärte den Sinn und Nutzen des 4-Augen-Prinzips bei Übersetzungen.

Zur Qualität von Übersetzungen und ob ein in CAT-Tools integrierter Qualitätscheck Teil des 4-Augen-Prinzips ist oder nicht, darum drehte sich eine Unterhaltung in Hohenems: Die Anwesenden waren der Ansicht, der QA-Check in CAT-Tools sei die Grundlage der Qualitätssicherung, hatten jedoch in Realität die Erfahrung gemacht, dass das durchaus nicht jeder Übersetzungsdienstleister so sieht. Zündstoff für eine Debatte bot ein Impulsvortrag eines Teilnehmers zum Thema Industrie 4.0. Ausgehend von der These, dass die Industrie zunehmend darauf fokussiert, Arbeiten zu automatisieren und den Menschen zu ersetzen, stand die Befürchtung im Raum, dass weniger qualifizierte Arbeitskräfte zukünftig kaum mehr eine Chance auf Beschäftigung hätten. Dem wurde entgegengehalten, dass die heutigen und zukünftigen Generationen bereits in einer entsprechend technologisierten Welt aufwüchsen (Stichwort: Digital Natives) und sich daher besser auf die veränderten Bedingungen einstellen könnten. Der Arbeitsmarkt werde sich dynamisch anpassen – und auch Technische Redakteure würden weiterhin gebraucht und sich den neuen Anforderungen anpassen.

Teilnehmerzahlen

Gesamt: 46 (31 Mitglieder + 15 Interessenten)
Graz: 17 (11 + 6)
Hohenems: 10 (8 + 2)
Linz-Leonding: 11 (6 + 5)
Wien: 8 (6 + 2)

Stammtischrunde über den Dächern Wiens