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Insel Mainau, 27.06.2014

Gemeinsame Veranstaltung mit Fachvorträgen

LV-Treffen: Ein bunter Strauß technischer Redaktion (27.06.2014)

Yvonne Gasser, tekom Österreich

Die tekom-Regionalgruppen Alb-Donau, Bodenseeraum, Stuttgart und die tekom Österreich luden zu einer ganztägigen Fachveranstaltung auf der Insel Mainau ein – und 50 Personen folgten dem Ruf.

Unter den Teilnehmenden befanden sich außerdem 6 Redakteurinnen und Redakteure, die am Vortag erfolgreich die Ausbildung mit tekom-Zertifizierung abgeschlossen hatten; an dieser Stelle noch einmal herzliche Gratulation!

Der geführte Rundgang, bei dem sich die Teilnehmer bei strahlendem Wetter von der Blumeninsel bezaubern ließen, bildete einen gelungenen Start in den Veranstaltungstag.
Passend zum Veranstaltungsort standen danach Fachvorträge zu folgenden Themen auf dem Programm:

  • Was hat Social Media mit Segeln zu tun?
    (Ute Klingelhöfer, contentwerk)
  • Terminologie: Von der Mündung bis zur Quelle… und zurück
    (Isabelle Fleury, Fleury & Fleury Consultants)
  • Keine Insellösung: DITA und Industrie 4.0
    (Dr. Walter Fischer, Fischer Computertechnik GmbH)
6 frisch zertifizierte Redakteurinnen und Redakteure mit LVÖ-Leiterin

Zusammenfassung der Vorträge

Was hat Social Media mit Segeln zu tun?

Im ersten Vortrag legte die Referentin dar, inwiefern die zahlreichen sozialen Netzwerke die (Unternehmens-)Kommunikation verändern. Frau Klingelhöfer ging dabei exemplarisch auf einige soziale Netzwerke ein und erläuterte deren grundlegenden Charakteristika und Regeln. So wird z. B. Facebook eher als Unterhaltungsmedium gesehen und genutzt, während sich XING als Plattform für geschäftliche Kontakte etabliert hat. Den meisten Netzwerken gemein ist jedoch ein hoher Grad an Individualisierung und Personalisierung. Unternehmen, die auf diesen Plattformen nur allgemeine, möglichst neutral formulierte Unternehmensinformationen zu publizieren, werden daher keinen großen Nutzen daraus ziehen können. Eine weitere Herausforderung besteht für Unternehmen im Umgang mit Kritik: Durch Social Media können Kunden direkt (und öffentlich) mit den Unternehmen in Kontakt treten – Chance und Risiko gleichzeitig, wie die Referentin an Beispielen aufzeigte.
Und was hat Social Media nun tatsächlich mit Segeln zu tun? Wer sich hinauswagt und die Spielregeln berücksichtigt, kann sehr weit kommen (und dabei viel Spaß haben). Trotzdem können immer auch Stürme auftreten; damit sie nicht in unkontrollierbare Wirbelstürme geraten, sollten sich Unternehmen mit Worst-Case-Szenarien und entsprechenden Notfallplänen vorbereiten.

Terminologie: Von der Mündung bis zur Quelle… und zurück

Nach dem Mittagessen nahm Frau Fleury das Thema Wasser auf und zeigte, wie sich Terminologie – analog zu einem Flusslauf – ihren Weg bahnt: Meist entspringt sie aus unterschiedlichen Quellen, wird über mehrere Kanäle (reguliert oder unreguliert) verteilt und mündet in einem See der Vielsprachigkeit. Anhand der Zusammenarbeit mit Übersetzern und der Möglichkeit, aus Translation Memorys Terminologie zu extrahieren, skizzierte die Referentin unterschiedliche Ansätze, wie Terminologiearbeit gestartet und weiterentwickelt werden kann und welche Vorteile die Verwendung konsistenter Terminologie bereits in der Ausgangssprache bietet. Die Tipps der Expertin:

  • Fangen Sie einfach an

    Ein erster Schritt zur Terminologiearbeit könnte z. B. sein, Übersetzer zu Rückfragen motivieren (80 % der Rückfragen betreffen die Terminologie).

  • Sprechen Sie über Erfolge (internes Marketing)

    Terminologiearbeit bedeutet immer Aufwand und Recherche und wird daher oft als unnötig angesehen; es empfiehlt sich daher, auf Erfolge (z. B. Qualitätssteigerung durch zuverlässigere Übersetzung, Aufwandssenkung beim Rückfragenmanagement) deutlich aufmerksam zu machen.

  • Passen Sie die Prozesse an

    Um Terminologiearbeit langfristig professionell zu betreiben, müssen die entsprechenden Prozesse geschaffen werden, z. B. Freigabeprozesse für ausgangs- und zielsprachliche Benennungen.

 

 

 

Keine Insellösung: DITA und Industrie 4.0

Der letzte Vortrag des Tages drehte sich darum, wie sich die Produktionsprozesse derzeit und in nächster Zukunft entwickeln, welche Auswirkungen dies auf die Technische Kommunikation haben wird und welche Rolle DITA dabei spielen wird.
Dr. Fischer legte dar, dass wir uns momentan mit der „vierten industriellen Revolution“ konfrontiert sehen: Während bisher die Maschinen programmiert wurden, wird zukünftig das zu bearbeitende Bauteil sämtliche Informationen (z. B. Bauplan, technische Daten, Bearbeitungsanweisungen) mit sich tragen und so mit den bearbeitenden Maschinen kommunizieren. Dies werde nicht nur eine Produktivitätssteigerung ermöglichen, sondern auch der Individualisierung der Gesellschaft Rechnung tragen, indem der Schritt von der Massenproduktion weg zu individuelleren Produkten gemacht werde.
Für die Technische Kommunikation ergeben sich daraus diverse Überlegungen: Wenn sich alle relevanten Informationen direkt auf dem Bauteil  befinden, wie muss dann die Information strukturiert und modularisiert sein, damit sie dem Anwender in dessen Situation optimal helfen? Ist die Struktur, die für die Betriebsanleitung der gesamten Anlage passend war, für diese Anforderung noch geeignet? Wie ist es mit der Trennung von technischer und Marketing- bzw. Vertriebsinformation – kann (und soll) sie aufrechterhalten werden oder muss ein gemeinsames Konzept erarbeitet werden?
Herr Fischer regte zum Nachdenken an und legte dar, dass die Anforderungen an Modularisierung und Strukturierung durch DITA optimal erfüllt werden könnten.

Vortragsunterlagen

Die Vortragsunterlagen stehen tekom-Mitgliedern zur Verfügung und können im Bereich Downloads heruntergeladen werden. Opens internal link in current windowZum Download... (nur für Mitglieder)